Der Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer

Der Alfried Krupp-Förderpreis wird seit 1986 jährlich für Nachwuchs­wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausgeschrieben, die in den Bereichen Natur- und Ingenieurwissenschaften eine Erstprofessur an einer deutschen Hoch­schule innehaben. Er gehört zu den am höchsten dotierten Preisen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und wurde bisher an 38 herausragende Nachwuchsforscherinnen und -forscher vergeben.

Die mit 1 Mio. € dotierte Auszeichnung soll die Preisträger während eines Zeitraums von fünf Jahren in die Lage versetzen, sich unabhän­gig von öffentlichen Geldern ein verbessertes Arbeitsumfeld zu schaffen und ihre Arbeit in Forschung und Lehre voranzutreiben.

Der Alfried Krupp-Förderpreisträger 2019: Professor Dr. Christian Groß

Christian Groß (*1980), geboren in Kirchen (Sieg), studierte bis 2006 Physik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und wurde 2010 „summa cum laude“ an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promoviert. Nach einem weiteren Jahr als Postdoktorand in Heidelberg zog es ihn an das MPI für Quantenoptik (MPQ) in Garching, wo er zunächst als Projektleiter tätig war. Seit 2017 war er dort Forschungsgruppenleiter und folgte zum September 2019 dem Ruf auf die W3-Heisenberg-Professur für Experimentelle Vielteilchen-Quantenphysik an der Universität Tübingen.

Der Schwerpunkt der Forschung von Christian Groß liegt auf der experimentellen Untersuchung sogenannter ultrakalter Quantengase, insbesondere mit Blick auf die Vielteilchen-Physik. Die Herausforderung liegt hier im Zusammenspiel vieler Quantenteilchen.

Die quantenmechanische Beschreibung einiger weniger Teilchen ist heute sehr gut verstanden, allerdings lässt sich dieses Verständnis nicht immer auf Systeme vieler stark wechselwirkender Teilchen übertragen. So stellt das detaillierte Verständnis sowie die Kontrolle vieler Quantenteilchen eine der großen Fragen der modernen Physik dar. Ultrakalte Quantengase bieten hier eine einzigartige Plattform, um solche komplexen Systeme mikroskopisch zu designen und auf dem Level einzelner Atome zu untersuchen. Die heutige Grundlagenforschung in diesem Bereich hat großes Potential als Basis für zukünftige Technologien zu dienen, die auf Vielteilchen-Quanteneffekten beruhen.

Für namhafte Fachkollegen ist Christian Groß ein herausragender junger Wissenschaftler, der zur Speerspitze der Grundlagenforscher auf dem Gebiet der modernen Quantenphysik gehört. Mit seinen experimentellen Arbeiten und nicht zuletzt durch die Entwicklung neuer Apparate habe er mehrfach auch solche quantenphysikalischen Phänomene erstmals experimentell nachweisen und vermessen können, die in der Physik bislang als rein theoretische, nicht beobachtbare Phänomene galten. Seine wissenschaftlichen Arbeiten erscheinen in den international renommiertesten Fachzeitschriften und haben dazu geführt, dass er zu Fachtagungen in der ganzen Welt als Experte eingeladen wird.

Die Arbeit von Christian Groß ist bereits mit hochrangigen wissenschaftlichen Auszeichnungen gewürdigt worden: Dissertationspreis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2011), „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrates (2015),Heinz Maier-Leibnitz-Preis (2017) und Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2018).

"Die Grundlagenforschung von Prof. Christian Groß ermöglicht einen neuen Blickwinkel auf die Quantenphysik und ist damit ein vielversprechender Ansatz für die Entwicklung besonders effizienter Informationsverarbeitung in Quantencomputern. Sein Ansporn, das bisher unbekannte Zusammenspiel vieler Quantenteilchen zu ergründen, beeindruckt uns sehr. Es bedarf neuer und kreativer Ideen, eine optimale Kontrolle und Beobachtung von atomaren Systemen zu erzielen. Wir sind stolz, einem bereits so erfolgreichen Wissenschaftler die Möglichkeit geben zu können, seine Forschung weiter voranzutreiben. Der Alfried Krupp-Förderpreis setzt damit seine langjährige Tradition in der Förderung junger Forscherinnen und Forscher erfolgreich fort." Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Gather

Festakt: Impressionen zur Veranstaltung

Die Verleihung des Alfried Krupp-Förderpreises findet jedes Jahr im November in der Villa Hügel statt. Prof. Ursula Gather, die Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung begrüßte die Festgäste und eröffnete den Abend mit einer Ansprache, die zu gegenseitigem Vertrauen aufrief. Das Motiv des Vertrauens setzte sich fort: Der diesjährige Festvortrag von Prof. Ute Frevert, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, handelte von Vertrauen, das als knappe Ressource und große Herausforderung gilt und der Frage, was Vertrauen so unwiderstehlich macht. Den Rahmen des Abends bildete die Laudatio von Prof. Markus Oberthaler und die feierliche Übergabe des Förderpreises an Prof. Christian Gross durch die NRW-Kulturministerin Isabelle Pfeiffer-Poensgen.

Presseservice

Begrüßungsansprache von Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Gather
Ansprache und Präsentation des Preisträgers Prof. Dr. Christian Groß
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