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Aus dem Archiv: 11. April 1945 – Amerikanische Soldaten verhaften Alfried Krupp

Am 11. April 1945, vor 75 Jahren, verhafteten amerikanische Soldaten Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in der Villa Hügel. Der amerikanische Kriegsberichterstatter William Vandivert hielt mit der Kamera fest, wie einer der wichtigsten Industriellen Deutschlands symbolträchtig mit einem Geländewagen der US-Army in die Untersuchungshaft gebracht wurde.

Alfried von Bohlen und Halbach (1907–1967) trat 1936 als Direktor in die Firma Krupp ein und wurde im Dezember 1943 Alleininhaber des Unternehmens. Am 11. April 1945 marschierten amerikanische Truppen in Essen ein. Die Villa Hügel gehörte zu den wichtigen „strategischen Stationen“, die es einzunehmen galt. Gegen 11 Uhr stürmten die ersten amerikanischen Panzer und Sicherungstruppen den Krupp‘schen Familiensitz. Damit war das Ziel erreicht, die Villa Hügel zumindest symbolisch zu besetzen. Nach einem Rundgang durch das Haus ließ der amerikanische Kompaniechef den Hausherrn Alfried Krupp durch seinen Diener zur Verhaftung „bitten“.

Im August 1947 erhob ein US-Militärgericht in einem der drei Nürnberger Industriellen-Prozesse gegen Krupp und elf seiner leitenden Mitarbeiter Anklage. Am 31. Juli 1948 wurde das Urteil verkündet: Wegen „systematischer Plünderung“ besetzter Gebiete und „menschenunwürdiger Behandlung“ ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangener verurteilte das Tribunal den Konzerninhaber zu zwölf Jahren Haft und zur Einziehung seines Vermögens. Zehn seiner Mitangeklagten erhielten Haftstrafen bis zu zwölf Jahren. Seine Haftzeit verbüßte Alfried Krupp im Gefängnis in Landsberg am Lech.

John Jay McCloy, der US-Hochkommissar für Deutschland, begnadigte ihn 1951 und hob die Beschlagnahmung des Vermögens auf. 1953 übernahm Alfried Krupp – maßgeblich unterstützt von Berthold Beitz als Generalbevollmächtigten – wieder die Leitung des Konzerns.

 

Autorin: Mag. Manuela Fellner-Feldhaus, Historisches Archiv Krupp