Alle Pressemitteilungen 30. Juli 2017: 50. Todestag von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

30. Juli 2017: 50. Todestag von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach


© Historisches Archiv Krupp

Essen, 25. Juli 2017. –  Die Krupp-Stiftung erinnert an ihren Stifter Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der am 30. Juli 2017 vor 50 Jahren verstarb. Mit seinem Tod ging das gesamte Privat- und Firmenvermögen des letzten persönlichen Alleininhabers der Firma Krupp auf die gemeinnützige Stiftung als Alleinerbin über.

 

Vermächtnis des Stifters

 

Am 1. April 1967 war die Villa Hügel in Essen Schauplatz eines für das Unternehmen Krupp historischen Termins: Wie jedes Jahr hatte Alfried Krupp die Jubilare des Unternehmens Krupp zu einer feierlichen Ehrung eingeladen. Er nutzte diese Gelegenheit, um den Firmenangehörigen und der Öffentlichkeit eine lange gereifte und sorgfältig vorbereitete Entscheidung bekannt zu geben: „Ich habe mich entschlossen, die Firma über eine Stiftung, die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein soll, in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln.“ Er habe testamentarisch verfügt, dass eine rechtsfähige, gemeinnützige Stiftung Alleinerbin seines gesamten Privat- und Firmenvermögens sein solle. Alfried Krupp dankt seinem Sohn Arndt für dessen Erbverzicht, ohne den die Stiftungsgründung nicht möglich gewesen wäre.

 

Mit dem überraschenden Tod von Alfried Krupp nur vier Monate später trat das Testament in Kraft. Die Firma wurde in die Kapitalgesellschaft „Fried. Krupp GmbH“ mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als alleiniger Anteilseignerin umgewandelt. Vorsitzender des Stiftungskuratoriums und des Vorstandes wurde sein bisheriger Generalbevollmächtigter und Testamentsvollstrecker Berthold Beitz, der bis zu seinem Tod am 30. Juli 2013 die Stiftung führte.

 

Am 1. Oktober 2013 übernahm die Mathematikerin Ursula Gather, Rektorin der Technischen Universität Dortmund, den Vorsitz des Kuratoriums, in das sie 2011 berufen worden war.

 

Wirken der Krupp-Stiftung

 

Die Krupp-Stiftung nahm am 1. Januar 1968 ihre Tätigkeit auf. In ihrer Funktion als Anteilseignerin hält sie derzeit 23,03 Prozent der Aktien an der thyssenkrupp AG. Die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge hat sie für gemeinnützige Zwecke in den Bereichen Wissenschaft, Er­ziehung und Bildung, Gesundheitswesen, Sport sowie Musik, Literatur und bildende Kunst zu verwenden. Für diese Zwecke hat sie bisher mehr als 660 Mio. € aufgewendet.

 

Die Stiftung ist politisch und konfessionell unabhängig. Sie ist bestrebt, im Sinne der von Alfried Krupp beschriebenen Orientierung am Gemeinwohl neue Entwicklungen anzuregen sowie zu Kreativität und Engagement zu ermutigen. Sie setzt gezielt Akzente in der Wissenschafts- und Hochschulentwicklung, möchte Chancengleichheit ermöglichen, zur Völkerverständigung beitragen und die Ausbildung der jungen Generation verbessern.

 

Das breit gefächerte Förderspektrum der Stiftung wird dabei vor allem in eigeninitiierten Programmen und Schwerpunkten umgesetzt. Beispiele hierfür sind die Förderung junger Hochschullehrer, internationale Stipendienprogramme, Initiativen zur Förderung junger Künstler oder Bildungsprojekte für Schüler und junge Erwachsene. Die Stiftung verwirklicht zudem umfangreiche Einzelvorhaben, so etwa den Neubau des Museum Folkwang in Essen im Jahr 2010. Sie hilft im Rahmen ausgeschriebener Förderprogramme aber auch mit gezielt eingesetzten kleineren Beträgen. Regionale Schwerpunkte, wie Essen und das Ruhrgebiet oder die Universitäts- und Hansestadt Greifswald, geben der Fördertätigkeit der Stiftung ein besonderes Profil.

 

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist seit 1971 Eigentümerin des Alfried Krupp Krankenhauses in Essen. Für dessen Unterhalt und Ausstattung hat sie seither erhebliche Fördermittel eingesetzt und damit das Krankenhaus bei seiner Entwicklung zu einem der modernsten und leistungsfähigsten Krankenhäuser in Deutschland unterstützt.

 

Das heutige Alfried Krupp Krankenhaus bietet an zwei Standorten in den Essener Stadtteilen Rüttenscheid und Steele mit rund 900 Betten, 2.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie eigenen Kompetenz- und Gesundheitszentren eine umfassende medizinische und pflegerische Versorgung für die Menschen in der gesamten Region.

 

Lebenslauf von Alfried Krupp

 

Alfried von Bohlen und Halbach wird am 13. August 1907 als ältestes von acht Kindern von Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach geboren. Er macht in Essen sein Abitur, absolviert zunächst Praktika in den Krupp‘schen Werkstätten und beginnt dann mit dem Studium der Hüttenkunde. Seine Studienzeit verbringt er in München, Berlin und Aachen, wo er 1934 als Diplomingenieur abschließt.

 

Nach einem Volontariat bei der Dresdner Bank in Berlin tritt er im Oktober 1936 in die Firma Krupp ein. Zwei Jahre später wird er in das Direktorium berufen. 1943 übernimmt er die Unternehmensleitung und wird zum Alleininhaber der Firma. Als Alleininhaber hat er das Recht, seinem Namen den Zusatz „Krupp“ voranzustellen und sich Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zu nennen.

 

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach übernimmt die Firma zu einem Zeitpunkt, zu dem sie bereits Teil der NS-Kriegswirtschaft ist.

 

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 11. April 1945, wird Alfried Krupp von Bohlen und Halbach durch amerikanische Truppen verhaftet und in der Folge in Nürnberg vor einem US-Militärgericht angeklagt. Sein Vater Gustav Krupp von Bohlen und Halbach ist schwer krank und nicht mehr verhandlungsfähig. Am 31. Juli 1948 wird der Sohn wegen der Beschäftigung von Zwangsarbeitern und „Plünderung“ in den von Deutschland besetzten Gebieten zu zwölf Jahren Haft und der Einziehung seines gesamten Vermögens verurteilt. Der amerikanische Hochkommissar John J. McCloy begnadigt ihn im Januar 1951 und hebt die Beschlagnahme seines Vermögens auf.

 

1953 tritt Alfried Krupp wieder an die Spitze seines Unternehmens. Noch im November desselben Jahres beruft er Berthold Beitz zu seinem persönlichen Generalbevollmächtigten. Es gelingt, den durch Kriegsschäden, Demontagen und die von den Alliierten angestoßene Neuordnung der Montanindustrie in seiner Substanz gefährdeten Konzern wieder aufzubauen. Neue Produktionsschwerpunkte führen innerhalb weniger Jahre zur Rückkehr auf internationale Märkte. Bereits Ende der 1950er-Jahre gehört das Unternehmen Krupp wieder zu den umsatzstärksten Firmen in Deutschland.

 

Alfried Krupp lebt zurückgezogen. Große gesellschaftliche Auftritte liegen ihm nicht. Dennoch repräsentiert er die Firma auch auf internationalen Reisen nach außen. Er ist zweimal verheiratet und wird zweimal geschieden. Aus der ersten Ehe geht 1938 sein einziges Kind, Arndt von Bohlen und Halbach, hervor.

 

Krupp ist passionierter Fotograf. Als begeisterter Segler feiert er mit seiner Crew auf der Segelyacht „Germania III“ bei den Olympischen Spielen 1936 als Bronzemedaillengewinner seinen größten sportlichen Erfolg.

 

Am 30. Juli 1967 stirbt Alfried Krupp von Bohlen und Halbach kurz vor Vollendung seines 60. Lebensjahres an Krebs.