Krupp-Stiftung zeigt Memphis und zeitgenössisches Design
Ab 30. April 2027 in der Villa Hügel: Krupp-Stiftung zeigt Memphis und zeitgenössisches Design
Die Ausstellung MAKING SENSE OF THINGS bringt Arbeiten von Nathalie Du Pasquier, Formafantasma, Konstantin Grcic, Chris Kabel, Jonathan Muecke, Julie Richoz, Mats Theselius und Muller Van Severen mit frühen Werken der Memphis-Gruppe zusammen
Essen, 3. November 2026 – Vom 30. April bis 15. August 2027 zeigt die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in der Villa Hügel die Ausstellung MAKING SENSE OF THINGS. Werke aus den frühen Jahren der Gruppe Memphis treffen auf Arbeiten von acht international renommierten Gestalter*innen. Ausgehend von dem Wirken von Memphis als einem entscheidenden Moment der jüngeren Designgeschichte fragt die Ausstellung nach der Rolle und Autonomie der gestalterischen Praxis heute: nach Autorschaft, nach den Ideen und Haltungen hinter den Dingen, nach dem Verhältnis von Einzelstück und industrieller Produktion sowie nach den fließenden Übergängen zwischen Design, Kunst, Architektur und Forschung.
In der historischen Atmosphäre der Villa Hügel entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen den Arbeiten der Memphis-Gruppe und den Positionen der Gegenwart. Die Leihgaben stammen aus nationalen und internationalen Museen sowie privaten Sammlungen. Kuratiert wird die Ausstellung von Prof. Uwe Fischer, Gestalter und emeritiertem Professor für Industrial Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
MAKING SENSE OF THINGS
Die Ausstellung schlägt eine Brücke zwischen den frühen Arbeiten der 1981 um Ettore Sottsass gegründeten Gruppe Memphis und acht Positionen des zeitgenössischen Designs. Sie zeigt Memphis als Bewegung, die nicht nur die Konventionen von Form, Funktion und Geschmack infrage stellte, sondern auch das traditionelle Rollenverständnis von Gestalter*innen nachhaltig veränderte. Designer*innen begannen, sich aus ihrer traditionellen Rolle als Dienstleister der Industrie zu lösen und ihre eigene gestalterische Autonomie zu behaupten. Was damals einen bewussten Bruch mit etablierten Vorstellungen bedeutete, ist für die heutige Generation von Gestalter*innen eine Selbstverständlichkeit.
Acht individuelle Haltungen
In MAKING SENSE OF THINGS wird dieser Gedanke aus der Gegenwart heraus weitergeführt. In eigens für die Ausstellung produzierten Filminterviews geben die acht international renommierten Gestalter*innen Einblicke in ihre Studios, ihre Arbeitsweisen und ihr Denken. Die Filme wurden von dem deutsch-italienischen Filmteam Jasmine Deporta und Silvio Rebholz realisiert. Die acht Positionen stehen für unterschiedliche Formen einer gestalterischen Praxis, die sich längst nicht mehr eindeutig einem einzelnen Feld zuordnen lässt. Sie arbeiten mit der Industrie und entwickeln zugleich unabhängig eigene Projekte, Editionen und Einzelstücke. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Produktgestaltung, Materialforschung, Architektur und Skulptur. Was sie verbindet, ist keine gemeinsame Ästhetik, sondern die Frage, wie sich eine eigenständige gestalterische Haltung unter den gesellschaftlichen, technologischen und ökologischen Bedingungen der Gegenwart entwickeln und formulieren lässt. Mit der Qualität und Konsequenz, mit der sie ihre Ideen verfolgen und ihre Arbeiten entwickeln, sind sie wichtige Referenzpunkte für jüngere Gestalter*innen. Ihre Werke sind in führenden Museen und Sammlungen weltweit vertreten. Ein großer Teil der ausgewählten Arbeiten wird in der Villa Hügel erstmals in Deutschland zu sehen sein.
Nathalie Du Pasquier (Mailand) französische Künstlerin und Designerin, prägte als Mitbegründerin von Memphis deren Ästhetik entscheidend mit. Seit 1987 steht die Malerei im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis, die von Gemälden und Skulpturen bis zu Büchern, Teppichen und Keramiken reicht. In ihrer Auseinandersetzung untersucht sie die Beziehungen zwischen Darstellung und Abstraktion, Materialität und Vorstellung, Realität und Imagination sowie zwischen zwei- und dreidimensionalen Formen.
Formafantasma, (Mailand/Rotterdam) 2009 von Andrea Trimarchi und Simone Farresin gegründet, untersucht Materialien, Technologien und Herstellungsprozesse im Kontext ökologischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge. Das italienische Designstudio will ein tieferes Verständnis unserer natürlichen und gebauten Umwelt fördern und durch Design neue Perspektiven eröffnen und Veränderungsprozesse anstoßen.
Konstantin Grcic (Berlin) absolvierte nach seiner Ausbildung an der John Makepeace School for Craftsmen in Wood das Royal College of Art in London. Seine Arbeit verbindet industrielle Gestaltung mit selbst initiierten Projekten. 2025 gründete er mit 25KG ein eigenes Label. Sein in Berlin ansässiges Büro Konstantin Grcic Design arbeitet in unterschiedlichen Bereichen – von Industriedesign und Editionen über Ausstellungsdesign bis hin zu Kooperationen mit Kulturinstitutionen, Architektur und Mode.
Chris Kabel (Rotterdam) beschäftigt sich in seinem Studio intensiv mit Materialien, natürlichen Phänomenen und der Beobachtung von Materialeigenschaften und konkreten Nutzungssituationen. Seine Entwürfe entwickeln ihre Ästhetik aus einer intuitiven und poetischen Auseinandersetzung mit Funktion, Material und Umgebung.
Jonathan Muecke (Minneapolis) erforscht in seinen Arbeiten die Beziehungen zwischen Material, Objekt, Körper und Raum. Dabei konzentriert sich der US-amerikanische Gestalter häufig auf ein Material wie Holz, Aluminium oder Carbonfaser. Immer wieder widmet er sich grundlegenden Möbeltypen wie Stühlen, Tischen und Bänken, deren wesentliche Eigenschaften er durch experimentelle Ansätze herausarbeitet.
Julie Richoz (Paris) stellt handwerkliches Wissen, Präzision und die Eigenschaften der verwendeten Materialien in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Das Spektrum der schweizerisch-französischen Designerin reicht von Objekten über Möbel und Leuchten bis hin zu Textilien. Einzelanfertigung und industrielle Produktion begreift sie nicht als Gegensätze, sondern als miteinander verbundene Möglichkeiten gestalterischer Praxis.
Mats Theselius (Malmö) bewegt sich im Grenzbereich zwischen Kunst und Design. Seine Objekte oszillieren zwischen Gebrauchsgegenstand und autonomem Kunstwerk. Sein vielseitiges Werk umfasst Möbel, Innenarchitektur, Landschaftsgestaltung, Bühnenbilder, Bücher und Musik. Funktionale Gestaltung verbindet sich darin mit künstlerischer Forschung.
Muller Van Severen (Evergem) wurde im Frühjahr 2011 von den belgischen Künstlern Fien Muller und Hannes Van Severen gegründet. Mit ihren Möbelentwürfen loten sie die Grenzen zwischen Skulptur und Gebrauchsgegenstand aus. Ihre Arbeiten entstehen sowohl für eigene Kollektionen als auch in Zusammenarbeit mit internationalen Marken.
Memphis
Memphis zählt zu den einflussreichsten Designbewegungen des späten 20. Jahrhunderts. Die Gruppe formulierte eine deutliche Kritik an einer konsumorientierten Industriegesellschaft, deren Prinzipien zunehmend alle Lebensbereiche prägten. Aufbauend auf den Ideen des Radical Design und der 1976 in Mailand gegründeten Gruppe Alchimia entstanden Objekte, die sich bewusst etablierten Vorstellungen von Stil und Funktionalität widersetzten. Im Zentrum standen grundlegende Fragen nach der kulturellen Bedeutung von Design und seiner Rolle in einer postindustriellen Gesellschaft. Zu den gezeigten Arbeiten gehören einige der bekanntesten Entwürfe der Gruppe: Ettore Sottsass’ Raumteiler Carlton (1981), Masanori Umedas skulpturaler Tawaraya Ring (1981) sowie Peter Shires Sessel Bel Air (1982).
Weitere Informationen: www.villahuegel.de
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung fördert seit 1968 Menschen und Projekte in Kunst und Kultur, Wissenschaft, Bildung, Gesundheit und Sport und hat sich dafür bisher mit rund 715 Mio. € engagiert. Als größte Aktionärin der thyssenkrupp AG verwendet die Stiftung die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge ausschließlich für gemeinnützige Zwecke. Seit Jahrzehnten unterstützt die Stiftung in ihrem Satzungsbereich Kunst und Kultur künstlerischen Nachwuchs mit Stipendienprogrammen, ermöglicht den Erwerb von Sammlungen für Museen und realisiert Publikationen ebenso wie Ausstellungen – etwa in der Villa Hügel, deren Eigentümerin die Stiftung ist.
Kontakt
Barbara Wolf
Leiterin Kommunikation, strategische Entwicklung und Transformation
Mobil: +49 (0)162 49 51 225
E-Mail: wolf@krupp-stiftung.de