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Publikationsreihe des Historischen Archivs Krupp „Essay und Archiv“ geht in die zweite Runde

Rolf Sachsse, Thorsten Scheer und Ralf Stremmel schreiben über handcolorierte Dias, ein geplantes Krupp-Bauvorhaben von Mies van der Rohe und die Verbindung von Alfred Krupp und Alexander von Humboldt

Essen, 29. September 2022 – Das Historische Archiv Krupp führt die im letzten Jahr erfolgreich initiierte Publikationsreihe „Essay und Archiv“ nun mit drei Bänden weiter: Mit Texten von Rolf Sachsse über die ausgestorbene Gattung der handcolorierten Dias, Thorsten Scheer über das Engagement des weltberühmten Architekten Mies van der Rohe für eine neue Krupp-Hauptverwaltung und Ralf Stremmel über die Beziehung zwischen Alfred Krupp und dem Ausnahmewissenschaftler Alexander von Humboldt geht die Reihe in die Fortsetzung. Der faszinierende Quellen­fundus des Historischen Archivs Krupp ermöglicht es, in den Bänden ein Panorama verschieden­ster Themen zu entfalten: von der Kultur- über die Wirtschafts­geschich­te bis zur Architektur-, Politik- und Alltags­geschichte. Das Ziel ist, einem Fachpublikum wie auch historisch Interessierten eine mit den reichen Archivquellen unter­fütter­te Lektüre zu bieten. Jeder Band soll nicht nur informieren, sondern auch Lesevergnügen bereiten. Entspre­chend knapp und prägnant fallen die reich bebilderten Texte aus.

 

Die im Aschendorff-Verlag erscheinende Reihe reflektiert die in den zehn Archiv-Regalkilometern von Dokumenten, Fotografien und Objekten sedi­men­tierte Geschichte. Auch in den kommenden Jahren sind weitere Bände geplant, die sich immer Themen mit einem Bezugspunkt zu Krupp widmen. Für die Essays werden renommierte Autoren gewonnen, die über Expertenwissen für das jeweilige Sujet verfügen und die teils uner­war­tete und bisher unbekannte Bezüge zum Krupp‘schen Kosmos herstellen.

Mit den frühen Lichtbildreihen zu Krupp nimmt Rolf Sachsse ein mittlerweile verschwundenes Genre in den Augenschein. Der Medientheoretiker geht der Geschichte dieses Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts populären Mediums nach, das vor­ran­­gig im Rahmen von Vorträgen zur Volksbildung eingesetzt wurde: Er berichtet dabei kenntnisreich über die Nutzung der per Hand colorierten Dias und deren Überlegenheit gegenüber rein textbasierten Vorträgen. Auch die Firma Krupp nutzte Lichtbild­reihen zur plakativen Präsentation ihrer Betriebe ebenso wie der Arbeit dort und ließ hohe Stückzahlen anfertigen. Die im Historischen Archiv Krupp bewahrten Dia-Serien folgen einem Narrativ, das die Krupp’sche Produktion in den Fokus nimmt und einzelne Arbeitsschritte wie das Gießen oder Walzen von Stahl zeigt – eben „die große Aufführung eines industriellen Theaters“.

 

Der Kunsthistoriker und Architekturexperte Thorsten Scheer erzählt eine faszinierende Geschichte über einen der bedeutendsten Architek­ten der Neuzeit, den deutsch-amerikanischen Ludwig Mies van der Rohe, und dessen Verbindung zu Krupp. Scheer rollt eine Chronologie der Ereignisse auf von der ersten Begegnung von Berthold Beitz und Mies van der Rohe im Mai 1960 in Detroit über die anschließenden Treffen auf dem Essener Hügel und die Beauftragung bis hin zur Vorstellung des fertigen Entwurfs im August 1961. Der Autor rekonstruiert die Umstände der Entscheidung für den geplanten Bauort am Rand des Hügelparks und führt die Leser*innen in die Denkwelt der Nachkriegszeit, die ein neues Selbst­verständnis mit sich brachte. Neben der Beschreibung des Entwurfs als einen flachen Bau mit zwei Lichthöfen, der auf Hierarchien verzichtet, geht der Text auch auf die architektonische Haltung von Mies van der Rohe ein, „Natur, Häuser und Menschen zu einer höheren Einheit zusammenzubringen“. Warum das Bauprojekt letztlich nie umgesetzt wurde, wird ebenfalls beleuchtet.

 

In dem Band „Humboldt und Krupp“ begibt sich Ralf Stremmel auf eine detektivische Spurensuche und beschreibt, wie ein einfacher Zettelfund zu neuen Erkenntnissen über die Verbindung zwischen Alexander von Humboldt und Alfred Krupp geführt hat. Stremmel zeichnet anhand von Korrespondenzen den Beginn und die Entwick­lung einer Beziehung zwischen unterschied­lichen Persönlichkeiten – einem weltberühmten Naturwissenschaftler auf der einen und einem aufstrebenden Industriellen auf der anderen Seite. Er geht den Motiven für die Kontaktaufnahme Krupps nach, die sicher zunächst auf Humboldts herausgehobenem Status basierten und auf der Hoffnung, dessen Netzwerke für die eigenen geschäftlichen Interessen zu nutzen. Spätere Briefwechsel lassen jedoch gegenseitige Bewunde­rung Krupps und ein fast schon freundschaftliches Verhältnis erkennen.

 

Die Autoren

Prof. Dr. Rolf Sachsse lebt als Autor und Kurator in Bonn. Bis 2017 war er an verschiedenen Hochschulen als Professor für Design­ge­schich­te und Medientheorie tätig, zuletzt an der Hochschule der bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Seine Forschungsgebiete umfassen die Fotografie, das Design, die Architektur und die Klangkunst.

 

Prof. Dr. Thorsten Scheer lehrt seit 2003 als Professor für Kunstgeschichte, Baugeschichte und Architekturtheorie an der Peter Behrens School of Arts (HSD) in Düsseldorf. Er hat zahlreiche Bücher und Fachbeiträge zu Themen der bildenden Kunst, zur Architekturgeschichte und theore­tische Beiträge zur Ästhetik der Moderne und Postmoderne verfasst. Einer seiner Forschungsschwer­punkte liegt derzeit in der Ästhetik der Architektur der 1950er und 1960er Jahre.

 

Prof. Dr. Ralf Stremmel ist seit 2003 Leiter des Historischen Archivs Krupp bei der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie apl. Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum.

 

Publikation / ISBN

Verlag: Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG, Münster

Herausgeber: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Umfang pro Band: ca. 32 bis 48 Seiten mit zahlr. Abb.

Preis: 9,95 Euro
Bezugsmöglichkeiten: Buchhandel, online und in der Villa Hügel
https://www.aschendorff-buchverlag.de/?listview&reihe=AAZEY58

 

Thorsten Scheer, Mies an der Ruhr
ISBN 978-3-402-22481-6

 

Rolf Sachsse, Leuchtende Farben. Frühe Lichtbildreihen zu Krupp
ISBN 978-3-402-22482-3

 

Ralf Stremmel, Humboldt und Krupp. Eine Spurensuche
ISBN 978-3-402-22483-0

 

In der Reihe bisher erschienen:

Sauerland als Lebensform (Ulrich Raulff), Die Krupps im Orient (Hasso Spode), Kunst als Diplomatie (Wolfgang Ullrich)

 

Das Historische Archiv Krupp

Bereits im Jahr 1905 gegründet, ist das Historische Archiv Krupp das älteste deutsche Wirtschaftsarchiv und eine der bedeutendsten Einrich­tungen seiner Art. Es verwahrt die Überlieferung der Indus­triellen­fami­lie Krupp und ihres Unternehmens – eine Über­lieferung, die vielfach mit den großen Themen der Geschichte des 19. und 20. Jahr­hunderts ver­knüpft ist. Die Bestände – rund zehn Regalkilometer – werden von Forscher*innen aus aller Welt genutzt. Eigentümerin des Archivs ist die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

 

Kontakt

Barbara Wolf , Leiterin Kommunikation
Telefon.: +49 (0)201 188-4809
E-Mail: presse@krupp-stiftung.de