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Ruhrgebiets-Archive erweitern Zusammenarbeit im Notfallverbund: drei neue Mitglieder

„Notfallverbund mittleres Ruhrgebiet“ wächst auf neun Mitglieder

Essen, 6. September 2023 – Durch Naturereignisse wie die Hoch­wasser­katastrophe im Juli 2021 können einzigartige Kulturgüter beschädigt oder unwiederbringlich zerstört werden. Um im Ernstfall schnell und effektiv Unterstützung bereit zu stellen, haben sich ab 2014 mehrere Archive zu einem Notfallverbund zusammen­ge­schlossen, der seit 2015 „Notfallverbund mittleres Ruhr­gebiet“ heißt und bislang aus sechs Mitgliedern bestand. Dieser Verbund wird nun um drei neue Archive erwei­tert und nimmt dies zum Anlass, die Zusammenarbeit zu be­kräfti­gen. Die Notfallvereinbarung, die die Unter­stützung vertrag­lich regelt, wurde heute im Rahmen eines Presse­termins in der Villa Hügel unter anderem von den Oberbürgermeister*innen Thomas Kufen (Essen), Karin Welge (Gelsenkirchen) und Dr. Frank Dudda (Herne) unterzeichnet.

 

Arbeit des Notfallverbunds

Den initialen Anstoß zur Gründung von Notfallverbünden gab der Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009. Wie wichtig Notfall­verbünde bei der Krisenbewältigung sind, hat zuletzt die Hoch­wasser­katastrophe 2021 deutlich gezeigt: Zahlreiche Archive in den betroffenen Regionen hatten massive Schäden zu verzeichnen, konnten aber auf die Unterstützung anderer Einrichtungen zählen.

 

„Die Sicherung beschädigter Archivalien, zum Beispiel Akten, Urkunden, Fotoalben oder historische Bücher, kann je nach Ausmaß des Unglücks einen enormen logistischen Aufwand bedeuten und erfordert eine hohe Fachkompetenz, die ein einzelnes Archiv allein gar nicht stemmen kann“, erläutert Dr. Kai Rawe vom Bochumer Zentrum für Stadt­geschichte, der Vorstandsmitglied des Notfallverbundes ist. Konkret wollen sich die Archive bei Notfällen mit Fachpersonal, Ausweich­standorten für geborgenes Archivgut sowie mit technischem Equipment gegenseitig unterstützen. „Die Kooperationsvereinbarung ist dabei wichtig, damit wir uns ohne bürokratische Hindernisse auf dem sprichwörtlichen kurzen Dienstweg helfen können“, ergänzt Rawe.

 

Neben der Unterstützung bei der konkreten Krisenbewältigung ist die Durchführung präventiver Maßnahmen eine wichtige Säule des Notfallverbundes. Regelmäßige Treffen, die abwechselnd in den Archiven stattfinden, bieten die Möglichkeit zum Erfahrungs­austausch und Kennenlernen der Räumlichkeiten. Gemeinsame Notfallübungen, z.B. Lösch- und Bergungsübungen, bereiten die Mitarbeiter*innen für den Ernstfall vor. Ein Teil der Archive im Notfallverbund ist außerdem bereits mit Notfallboxen ausgestattet: Die Notfallbox beinhaltet neben persönlicher Schutzausrüstung für die Mitarbeitenden auch Materialien wie etwa Stretchfolie, mit der durchnässte Archivalien verpackt werden.

 

Teilnehmende Archive

Bisher gehörten sechs Mitglieder zum Verbund – das Essener Stadtarchiv/Haus der Essener Geschichte, das Archiv der Domschatz­kammer, das Bistums­archiv Essen, das Historische Archiv Krupp sowie die Stadtarchive Bochum und Gelsenkirchen. Nun sind mit dem Stadt­archiv Herne, der Martin-Opitz-Bibliothek Herne und dem Stadtarchiv Bottrop drei weitere Einrichtungen hinzugekommen, sodass ab sofort neun private und öffentliche Archive dem Verbund angehören, die allesamt überzeugt von dem Projekt sind. „Wie in den anderen Einrichtungen des Notfallverbundes auch, ver­wahren wir im Krupp-Archiv einzigartige Kulturgüter, die besonders geschützt werden müssen.“, so Prof. Ralf Stremmel, der Leiter des Historischen Archivs Krupp, „Mit der Existenz des Notfallverbundes wollen wir auch das Bewusstsein dafür weiter stärken.“

 

Fachliche Unterstützung bekommt der Notfallverbund von den Archivberatungsstellen der beiden Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen (LWL), die in ihren Zuständigkeitsbereichen auch andere Notfallverbünde betreuen.

 

Historisches Archiv Krupp

Im Jahr 1905 gegründet, ist das Historische Archiv Krupp das älteste deutsche Wirtschaftsarchiv und eine der bedeutendsten Einrichtungen seiner Art. Es verwahrt die Überlieferung der Industriellenfamilie Krupp und ihrer Unternehmen – eine Überlieferung, die mit den großen Themen der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden ist. Das Archiv übernimmt kontinuierlich Quellen, erschließt sie systematisch, sorgt für ihren Erhalt und ihre Vermittlung in die Öffentlichkeit. Die Bestände – mehr als zehn Regalkilometer – werden von Forscherinnen und Forschern aus aller Welt genutzt. Mit Publikationen und der Historischen Ausstellung Krupp fördert das Archiv die geschichtliche Bildung. Das Archiv sitzt in der Villa Hügel und befindet sich im Eigentum der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

 

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung fördert seit 1968 Menschen und Projekte in Kunst und Kultur, Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und Sport und hat sich dafür bisher mit 690 Mio. € engagiert. Als größte Aktionärin der thyssenkrupp AG verwendet die Stiftung die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge ausschließlich für gemeinnützige Zwecke und verfolgt das Ziel, neue Entwicklungen anzuregen sowie zu Kreativität und Engagement zu ermutigen.

Weitere Informationen: www.kek-spk.de/notfallverbundkarte

 

Kontakt

Barbara Wolf
Leiterin Kommunikation, strategische Entwicklung und Transformation
Mobil: +49 (0)162 49 51 225
E-Mail: wolf@krupp-stiftung.de