Salon am Hügel am 30. August, 18 Uhr: Das neue Bild vom Menschen. Digital. Virtuell. Posthuman?

Patricia Detmering, Christian Faubel, Anna Fricke und Vivian Greven sprechen mit Magdalena Kröner über das zukünftige Verhältnis von Mensch und Maschine im Kontext von digitaler Kunst und Technologie im Live-Stream aus der Villa Hügel

Essen, 12. August 2021 – Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Salon am Hügel“ diskutieren am 30. August in der Villa Hügel die Künstlerinnen Patricia Detmering und Vivian Greven mit Anna Fricke, Kuratorin für Zeitgenössische Kunst des Museum Folkwang und Christian Faubel, Künstler und Professor für Smart Connected Products über Thesen und Ideen digitaler Kunst und Technologie zum künftigen Verhältnis von Mensch und Maschine. Die Veranstaltung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung wird moderiert von Magdalena Kröner, Journalistin, Essayistin, Kunstwissenschaftlerin und Thomas Mann Fellow der Krupp-Stiftung. Der Salon am Hügel wird als Live-Stream übertragen.

 

Die Runde der Diskutant*innen zeichnet sich dadurch aus, dass Kunst, Technologie, Theorie und Praxis zusammenfinden: Patricia Detmering arbeitet an der Schwelle von Virtualität, künstlicher Intelligenz und analogen Konzepten: Ihre jüngst prämierte Arbeit „Aporia“ ist eine virtuelle Welt, die sich über Algorithmen selbst entwickelt und von menschlichen Avataren bewohnt wird, die unterschiedlichen Verhaltensdynamiken folgen. Vivian Greven nutzt ein traditionelles Medium, ihre Malerei ist jedoch charakteristisch für unsere von Internet und Social Media geprägte Gegenwart: Grevens Figuren wirken skulptural, ihre glatte Haut erinnert an Marmor und spiegelt das Verlangen nach einer perfekten Ästhetik in einer digitalen Zeit wider. Anna Fricke kuratierte 2019 die Ausstellung „Der montierte Mensch“, die den Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Technik der letzten 120 Jahre richtete. Der Künstler und Wissenschaftler Christian Faubel vermittelt in seinen Kunstwerken, Workshops und Performances, Erkenntnisse über Selbstorganisation, Emergenz oder Embodiment entlang einer ästhetischen Dimension. Magdalena Kröner, die das Gespräch moderiert, forscht als Fellow der Stiftung im Thomas Mann House an zentralen Schnittstellen von digitaler Technologie, Kunst und Kultur und hat so eine Verbindung zur Krupp-Stiftung.

 

Die interdisziplinäre Runde nimmt die neuen Bilder vom Menschen in den Blick, die in einem digitalen Bildkosmos entstehen. Heute führen Social Media und die leichte Verfügbarkeit von Technologie, dazu gesellschaftliche Strömungen wie Diversität, neue Modelle von Gender und Repräsentation zu neuen digitalen und realen Identitäten, die mit Hilfe von Biometrie, künstlicher Intelligenz und virtueller Realität geschaffen werden. Alles um uns herum ist digital, wir benutzen digitale Technologie im Alltag zumeist, ohne sie zu verstehen: Sie greift in unsere Körper ein, verändert die Art, wie wir kommunizieren, die Welt wahrnehmen und unseren Alltag organisieren. Die Podiumsgäste diskutieren unter anderen, was es für Künstler*innen bedeutet, in einer digitalen Gegenwart zu leben und welche Möglichkeiten, Chancen und Abgründe durch diese neuen digitalen Bilder vom Menschen auf­kommen ebenso darüber wie innovative Lösungen von Kunst und Technologie zu den daraus entstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen aussehen könnten.

 

Mit der Reihe „Salon am Hügel“ möchte die Krupp-Stiftung Akzente in den Bereichen Kunst und Kultur ebenso wie Wissenschaft setzen, die zugleich Teil ihres Förderengagements sind. Seit Jahrzehnten fördert die Stiftung Ausstellungen, unterstützt Künstler*innen und angehende Kurator*innen sowie Nachwuchswissenschaftler*innen. Der Salon ist eine Plattform, um die im Rahmen der Fördertätigkeit aufkommenden Themen zu vertiefen und die entstandenen Verbindungen zu Künstler*innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen weiterzuführen.

 

Informationen und Link zum Live-Stream: www.krupp-stiftung.de/salonamhuegel

 

Live-Stream auch auf Instagram: @kruppstiftung

 

Biografien

Patricia Detmering ist Medienkünstlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeiten wurden international und in Deutschland gezeigt, unter anderem im Rahmen der Wrong Biennale in Tel Aviv, in der Mujikobo Gallery in Tokio sowie im Kunsthaus Erfurt. In ihrer Arbeit verbindet Detmering oft persönliche Erinnerungen mit künstlerischen Mitteln und philosophischen Bezügen, um diese in mediale Installa­tio­nen zu überführen. Sie verwendet digitale Medien wie 3D-Animationen und Live-Simulationen, die oft in immersiven Umgebun­gen aus gefun­denen Objekten, Skulpturen, Malerei und Zeichnungen gezeigt werden. In ihren jüngsten Arbeiten versucht sie, die feine Linie zwischen der digitalen und der analogen Welt zu verwischen, indem sie beide an den Rand der Auflösung treibt. Auf ihrer Suche nach unbe­kannten Narrativen arbeitet sie derzeit mit virtueller Realität in Kombination mit künstlicher Intelligenz. 2021 wurde Patricia Detmering mit dem VR Kunstpreis für ihre Arbeit „Aporia“ ausgezeichnet.

 

Christian Faubel ist ein interdisziplinärer Wissenschaftler und Künstler, der an Schnittstelle von Neurowissenschaften, autonomen Systemen und Medienkunst arbeitet. Seit 2020 hat er eine Professur für Smart Connected Products an der Fachhochschule Köln inne, wo er im neuen Bachelorstudiengang Code & Context unterrichtet. Christian Faubel ist promovierter Elektrotechniker und forschte von 2002 bis 2012 am Institut für Neuroinformatik zu autonomen Systemen. Von 2012 bis 2018 war er als Künstler, Forscher und Lehrer an der Kunsthochschule für Medien Köln tätig. 2002 gründete er derstrudel, ein Kollektiv zur Vermittlung eines entspannten Umgangs mit Elektronik und Robotik. In seiner Arbeit interessiert sich Christian Faubel dafür, was komplexes Verhalten ermöglicht und wie komplexes Verhalten aus dem Zusammenspiel von sehr einfachen Einheiten und deren Wechselbeziehungen entstehen kann.

 

Anna Fricke ist Kuratorin und Sammlungsleiterin für Zeitgenössische Kunst am Museum Folkwang. Zuvor war sie Kuratorin am Deutschen Filmmuseum und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Städel Museum in Frankfurt am Main. Nach dem Studium der Komparatistik und Kunst­geschichte an der Ruhr-Universität Bochum hat sie eine Dissertation zu ‚Lebendigen‘ Bildern in literarischen Texten und auf Gemälden verfasst. Zu den von ihr kuratierten Ausstellungen gehören die Projekte „Fassbinder – jetzt! Film und Videokunst“ (Frankfurt am Main/Köln) und „Tejal Shah – Some Kind of Nature“ (Köln) sowie für das Museum Folkwang „Katharina Fritsch“ (2016), „Dancing with Myself“ (2016), „Maria Lassnig“ (2017), „Unheimlich real – Italienische Malerei der 20er Jahre“ (2018), „Der montierte Mensch“ (2019) und „Global Groove – Tanz, Kunst, Performance und Protest“ (2021). Seit 2018 ist sie Lehrbeauftragte an der Universität Duisburg-Essen.

 

Vivian Greven ist Malerin. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ihre Werke waren in renommierten Häusern zu sehen, wie z. B. Kunstmuseum Bonn, Kunstsammlung Chemnitz, Museum Wiesbaden, Deichtorhallen Hamburg und Kunstpalais Erlangen. Grevens Malerei basiert auf einem versierten Spiel mit verschiedenen Vorstellungen von Körper, Sein und Repräsentation – dabei kommen Konzepte der klassischen Antike mit Pop Art und digitalen Bildwelten zum Tragen und verschmelzen miteinander. Die kunst- und zeit­geschichtliche Verortung von Grevens Gemälden korrespondiert mit ihrem Umgang mit Oberflächen: Teile ihrer Malerei entstehen als reale Reliefs, die auf gesprühte oder gemalte Darstellungen von Körper und Raum treffen. Dabei oszilliert die Ästhetik ihrer Bilder zwischen Ausdrucksweisen der physischen Malerei und der optischen Täuschung von LCD-Displays.

 

Magdalena Kröner arbeitet als Journalistin, Essayistin und Kunst­wissenschaftlerin in Düsseldorf und den USA. Ihre Veröffentlichungen sind zu finden u.a. in Frankfurter Allgemeine Zeitung, Kunstforum International, Monopol, Süddeutsche Zeitung und DIE ZEIT. Seit 2016 arbeitet sie zu den Themen digitaler Kunst, Technologie und Körperpolitik. Sie recherchierte dafür mehrfach in den USA und publizierte umfassend zu dem Thema. Ein weiterer Schwer­punkt ihrer Arbeit ist die Forschung zu Kunstszenen abseits der westlichen Kunstmetropolen. Dafür unternahm sie extensive Auslandsrecherchen in den Arabischen Emiraten, im Baltikum, in China, Südafrika und Südostasien. Von 2005 bis 2015 hatte sie ihren Zweitwohnsitz in New York und arbeitete von dort aus für deutsche Medien. 2021 wird sie als Thomas Mann Fellow der Krupp-Stiftung im Thomas Mann House forschen.

 

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung fördert seit 1968 Menschen und Projekte in Kunst und Kultur, Bildung, Wissenschaft, Gesundheit und Sport und hat sich dafür bisher mit mehr als 680 Mio. € engagiert. Als Vermächtnis von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und als größte Aktionärin der heutigen thyssenkrupp AG verwendet die Stiftung die ihr aus ihrer Unternehmensbeteiligung zufließenden Erträge ausschließlich für gemeinnützige Zwecke und verfolgt das Ziel, neue Entwicklungen anzuregen sowie zu Kreativität und Engagement zu ermutigen. Mit ihrer Arbeit setzt sie Akzente in der Wissenschafts- und Hochschulentwicklung, sie möchte Chancen­gleichheit ermöglichen, zur Völkerverständigung beitragen und die Ausbildung junger Generationen verbessern. Die Stiftung ist Eigen­tümerin der Villa Hügel, des ehemaligen Wohnhauses der Familie Krupp, deren Fortbestand sie für die Öffentlichkeit sichert.

 

Kontakt
Barbara Wolf
Leiterin Kommunikation
Telefon: +49 (0)201 188-4809
E-Mail: presse@krupp-stiftung.de